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Über

MICHAEL KIRMES-SEITZ; Autor, Kuenstler und Illustrator, Kurator, Videoproduzent und Kulturmanager, (Digital-Art-Grafik), Schauspieler, Kabarettist; lebt und arbeitet in Frankfurt am Main, Dresden sowie San Miguel/Ibiza. Mitglied im "VS" Verband Deutscher Schriftsteller, Mitglied Bild+Kunst; Mitglied VG Wort und VG Musik; Mitglied der Kuenstlergruppe "Bundschuh 13", Mitglied der GEMA. Einer der aktuellen Veroeffentlichungen: Urauffuehrung seines "Melli-Beese-Poeticals" mit Musik der "The Monkey Orchids" am 3. August 2014 beim Elbefest in Dresden. Vita unter: kirmes-seitz.kulturserver.de

Alter: 71
 



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Blog

wieviele ??? (18. April)


 wer auf der brücke einen rettungsring klaut
der wird bestraft
demaiziere & u.a. bürokraten haben nicht einen neger eigenhändig ersäuft
sie werden nicht bestraft
 
frühestens siegerjustiz verfolgt neue moralische kategorien
aber erst wenn schergen klapprig sind
und erinnerung fast schlappgemacht hat
ist ein volk als verantwortungskollektiv bereit
sich durch geständnis zu entlasten
das kostet auch weniger
bis dahin sitzen ankläger richter & täter auf derselben bank
es sei denn es geht gegen links
 
max p.
 
26.4.15 16:30


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TEXTE AUF RÄDERN UND GEDICHTE AUF REISEN

von Michael Kirmes-Seitz

Radweg

Die Wasserstraße entlang
von Nord nach Süd
Wegweiser für Entwurzelte
die sich keine Fahrkarte
leisten können und mit Biografien
die ausufern zu einem
verwilderten Leben.
Die verlorene Ehre
auf dem Weg von Kehl
nach Straßburg
zum Abmarsch in die
Kaserne der Weißmützen.
Unzählige Namen
der Namenlosen
im Land der Heimat-
und der Staatenlosen.

Mit missionarischem Eifer
Almosen schnorren
als Heiliger oder Sünder.
Unausgesprochen, aber
so sicher wie das Amen
in der Kirche:
Es geht um Geld
zum Überleben
auf Teufel komm raus.




Aufrollen

„Blues at the closet“
mit dem Nummerngirl
auf engstem Raum
nur übertönt
von einem Gitarrenriff
des großen Buddy Guy
nicht auf der Southside
von Chicago
sondern in der
hintersten Ecke
der Provinz.

Wenn es zu heiß ist
für Gefühle
lässt es auch
alles Andere kalt.

Am Rad drehen
auch, wenn sich
die Achse
quer stellt.

Wider besseres Wissen
besteht die Versuchung
auf Unvernunft.


Zeit auf Rädern

Am frühen Morgen fallen
die ersten Autokarawanen
wie Heuschrecken
in die Stadt ein.
Während die Einen
sich noch den Schlaf
aus den Augen reiben
haben andere schon
ihren ersten Coup gelandet.
Handeln mit neuen Werten.
Das täglichen Treffen
der Schiedsrichter darf nicht
durch lautes Pfeifen gestört werden.
Aber aus Episoden wird
noch keine Zeitgeschichte.
Ein Puzzle mutiert
zu immer neuen Bildern.
Und entwickelt sich
zu einem Netzwerk
ufert aus
wächst über sich hinaus.
Die Tagesgeschäftigkeit
lässt sich keinen Zwang antun.
und sich auch nicht
von einem kühlen Lächeln
den Atem rauben.
Rollen werden verteilt
und die neuen Texte
auf ihre Glaubwürdigkeit hin
abgeklopft, umgeschrieben
um allen Einwänden
einen Riegel vorzuschieben.
Keine Entscheidung über
Gewinn oder Verlust
Aufstieg und Fall
allen Eventualitäten
vorbeugen, weil keine Lösung
in Sicht ist.
Über Häuser hat sich
ein schwelender Teppich
aus Schall und Rauch gelegt
ein kühner Gedanke
sonnt sich in seinem Mut.


Schaufelräder und Schaulustige

Im Hinterland von Elbflorenz
liegt eine Region
die den Antrag als Weltkulturerbe
nicht stellen könnte
keine Augenweide
Starre soweit das Auge reicht
Städte aus der Dose.
Wo es kein Leben mehr geben sollte
kann auch nichts Neues mehr wachsen.

Die Schaufelräder der Braunkohlebagger
haben ganze Arbeit geleistet.
Alle Spuren scheinen verwischt.
Es soll Gras wachsen
über die Zerstörung der Landschaft.
Dort, wo ein Erdhügel
aus dem Boden quillt
lag einmal eine Stadt
oder ein Dorf
oder eine Einsiedelei.
 
Jetzt kennt keiner
keinen mehr.
Erinnerung überwalzt
von riesigen Raupen.
Die Zeit ist reif
für neue Sorgen und Ausflüchte
neue Sackgassen und Fluchtwege.

Das Stigma einer Region
wird zum Logo
einer kalten Welt.


Unterwandern

Von den Jahren mitgerissen
über weite Strecken hinweg
durchschlagen
durchschreiben
vorwärtskommen
um nicht
auf der Stelle zu treten.
Wegsucher mit dem Blick
für das Unwesentliche.

Im Streit mit dem Orakel
der Strippenzieher hinter den Kulissen
die es mit aller Macht
den Unschuldigen heimzahlen wollen.

Und eine Polonaise formieren
deren Belanglosigkeit
alle Fantasie zu ersticken droht.


Wiener Melanche

Es stinkt und qualmt
im Walzertakt
Donau so braun
Himmel mausblau
tauche nach dem Löwenfisch
Fünfzig sagt das Radar
Tausend sagt der Kalender
Blumen ranken um Butzenscheiben
Zementakne auf Steinwänden
in kühnen Lettern
Rot, Weiß, Rot
"Leben heißt Revolte"
Fetzen auf Litfaß
"Braunau verbündet,
Braunau verbindet!"
Es folgt die Seligsprechung
einer Klosterfrau.
Ein Kapuzinerpater fächert
mit Ablassbildchen.
Eine Nase Weihrauch
kostet eine Stange Geld.
Gutmenschen in Tierfellen
belagern Fendi
geben dem Frieden
eine letzte Chance
über Kümmel und Korn
Querschläger auf Querdenker.

Unter einer Glasplatte
spielt die Musik
Josef, dem Edlen von Sonnenfels
gewidmet von Winterberger
als Beethovens Sonate Nr. 15
kein Stück für Einsteiger
oder Aussteiger
eine Ode in D gegen D.
Im Kaufhaus drängen sich
die Tische als Vorspiel für
das große Stühle rücken.
Der Dichter in der Quotenkurve
allem Zorn zum Trotz ratlos.
Der Irrtum spricht
in vielen Sprachen
und verbeißt sich
in die Seiten einer Gazette.
Villen im Goldrausch
als Widerschein werden
von Monstern aus Glas und Stahl
in den Schatten gestellt.
Botschaften suchen ihre Empfänger
Verwirrspiel um das Regelwerk.
Um Zwischenfälle zu verhindern
werden die Ungeduldigen
durch das Gespinst
der Kontraktoren-Bänder geschleust.
Busse warten mit laufenden Motoren
und matten Lichtern
auf ihren Einsatz.
Kommunikation der Fingerspitzen
im Lotus-Sitz.
Zwischen den Zeilen
wappnet sich die Gleichmut
für immer neue Überraschungen.


Rad ratlos, aber beflügelt.

Es gibt Dinge
die es nicht gibt
die sich nur deshalb wiederholen
weil sie kein Menschen
vorhersehen kann.

Es passierte in der Geburtsstadt des Fado.
Mitten in der Nacht
alles ist Fremde
es herrscht das Dunkelheit
sprachlos und
ohne Orientierung.

Die Spur suchen
den einzigen Menschen treffen
der noch zu später Stunde
unterwegs ist
und dieselbe Sprache spricht
und mit einem ungläubigen Lachen
den Ausweg beschreibt -
auf nimmer Wiedersehen.


Ticket to London
 
Wenn man die Mitte
des grauen Wassers
erreicht hat
sieht man das Land
auf beiden Seiten
als könnten die Möwen
sich nicht entscheiden
wem sie sich zugetan fühlen.

Es haben vor längerer Zeit
Kämpfe stattgefunden
und vor dem imaginären Bug
schäumt die Gischt.
Die ungeduldigen Wellen
wollen nicht Grab sein
und gebären Felsen.
Die Schiffe wähnen
sich in Sicherheit.
Wenn die Fische
wirklich stumm wären
gäbe es keine Seemannslieder.

Bücher voller Geschichten
erzählen von Schlössern
voller Kobolde
und Rittern ohne Furcht.
Erwartungen finden kein Gehör.
Frauen liegen sich
nach der langen Reise
in den Armen;
verstohlen werfen sie
bewundernde Blicke
auf die starken Schultern
der Säckeschmeisser.
Auf die Parade der Ratten
folgt das Defilee der Katzen
Schafe meiden die Nähe
ihrer Hüter.

Während ein Arm
das Fenster schließt
zieht der andere
den Vorhang zu.
Tür an Tür
lauern Geschichtenerzähler.
Ein Schreiber bringt
seinen Widerspruch zu Papier
ein Redner
übertönt ihn mit Worten.
Die Schlange der Neugierigen
wird länger.

Bei der Jagd
nach dem Blechhasen
versuchen Windhunde
ihrem Namen
Ehre zu machen.
Ein Herr mit einer
Tasche voll Geld
nimmt noch Wetten entgegen.
Der plötzliche Reichtum
fördert unerfüllbare
Wünsche zutage.
Die Bereitschaft  
sich selbst infrage zu stellen
wird auf eine Probe gestellt.
Am einfachsten wäre es
wenn diejenigen
die arbeiten
sich selbst bezahlen.

In dieser Stadt könnte auch
die Jungfrau Maria
geschwängert worden sein.
Bekenntnisse liest man
auf den ersten Seiten
als geheime Botschaften
oder lauscht ihren Enthüllungen
im Äther.

Gelbe Doppeldeckerbusse
wetteifern mit roten Unterseeboten
um die Gunst der Sirenen.
Doch die besten Plätze
sind längst vergeben
und für den Zeitraum
zwischen gestern und morgen
sucht jeder seine Abkürzung.

Ein unbekannte Schöne
formt Buchstaben
mit dem Mund und
spuckt sie auf eine Leinwand.

Worte verwandeln sich
in Stadtlandschaften
und geben die Pläne
der Gärtner preis.
Der Kopf eines Geistlichen                                                         
lächelt unter der Guillotine.

Feuerzeuge werfen
ein schiefes Licht
auf die Phantasien
der Komparsen.
Ein Flugzeug kreist ohne
festes Ziel auf der Startbahn


Eine Geliebte erschießt einen Mann
weil er ihr Gatte sein könnte
der wiederum erschießt seine Frau
weil er sich im Recht fühlt.
Ein Steinmetz meißelt Regenschirme
aus schwarzem Marmor.
Nirgendwo werden mehr
Schicksale inszeniert
als hinter der Bühne.
Aus einer Kutsche dringt
laute Rockmusik
nach draußen;
die Blattfedern sind
dem Ansturm kaum gewachsen.
Die Zugpferde haben gelernt
Ruhe zu bewahren.
Pflanzen schlängeln sich
aus der alten Sitzbank;
der Kutscher trägt ein Kettenhemd.

Die Fahrerin sitzt
auf dem Sessel des Beifahrers.
Die Passagiere verwickeln sich
in Widersprüche.
Gespannt wartet das Publikum
auf die Fragen des Schaffners.

Filme altern schneller
als es die Zeit erlaubt.
In den Röhren fährt
es sich beengt.
Die Haltestellen führen an
geschwärzten Gesichtern vorbei.
Ein Fallschirmjäger
traktiert ein Saiteninstrument
und seine Musik klingt
wie eine überstürzte Flucht.
Er reiht sich ein in die Parade
der Frühvollendeten.

Nur hin und wieder
findet ein Austausch
von Gefühlen statt.
Über die Unsterblichkeit
entscheidet der Tod.

Die Verbindung herstellen
zu einem Land  
das den Regen schlagen möchte
und dessen Tränen trocknen
beim Klang von tausend Stimmen.

Walisische Schmalspur

Eine Region durchstreifen
in Eisenbahnwaggons
die so klein sind wie das Land.
Mit Ortsnamen
die so voller Geheimnisse stecken
dass sie sich nur buchstabieren lassen
bevor sie in Vergessenheit geraten.

Wenn der Morgen kommt
ist alles grau
wie die Nachtkatzen.

Der Schankwirt
bringt Fische zu Wasser
damit die Erwartungen
seiner Gäste
übertroffen werden.
Tausend Münder singen sich
die Nasen rot.
Zu vorgerückter Stunde
nehmen sich ihre Besitzer
an den Händen, um nicht
vom Wege abzukommen
mit dem Versprechen
„You never walk alone!“

Wen interessiert es da noch
dass hier einst eine Prinzessin
ihr Herz an einen Taugenichts
verlor und ihr Bruder
das Regieren gelernt hat.
Von seiner Burg sind nur
die Außenmauern geblieben
damit viel Gras
über eine böse Geschichte
wachsen kann.

Der Stolz ist der vergebliche Versuch
alte Wunden zu heilen.
Trotz kurzer Entfernungen
bleibt die See rau und gefährlich.
Warten auf den ersten Sonnenstrahl
damit das Warten ein Ende hat
bis zur Wiederentdeckung der Neugier.

Prozession

Wer im Glassarg liegt
wird mit Blumen begränzt
weil er nicht mehr mit Steinen
werfen kann in einer Stadt
in der die Phantasie
aus allen Poren schwitzt.

Die Guardia Civil hat
im Oberschenkel einer Dame
einen Saitenspieler
aufgespürt und ihn deshalb
des Landes verwiesen.
Engel jonglieren mit
ungelegten Eiern
und lassen die Bauernfänger
mit abgefahrenen Reifen
zur Hölle fahren.

Ungeschützt
Man erkennt
das Unrecht
an schwarzen
Plastiktüten.
Als Finte
oder Versteck.
Fingersprache und
vielsagende Blicke.
Nicht nur
das Bordpersonal
sondern auch
Hüter der Ordnung
verlangen ihren
gerechten Lohn.
Der Landgang
als Fluchtweg.

Radtanz

Sonntags treffen sich die Menschen
auf den Plätzen ihrer Stadt
und fassen sich an den Händen
ohne Ansehen der Person
sie bilden Kreise
im Zentrum des Zirkels
sammeln sich Beutel und Taschen.
Jeder wird freundlich aufgenommen
aber alle bleiben unter sich.
Einer gibt den Takt an
ohne die anderen zu bevormunden.
Immer neue Kreise bilden sich
die Töne der Flöten und Trompeten
klingen wie aus einer anderen Welt.

Alles ist friedlich
während unter der Erde die Hölle
zu lodern scheint.
Im dichten Gedränge
vergreifen sich Gierfinger
an fremdem Eigentum.

Die Beute wird flink außerhalb
der Reichweite gebracht.
Alle Spuren werden verwischt.
Kein Ort zum Verweilen
trotz vieler Worte
geschieht alles geräuschlos.

Bei Licht besehen
kehrt wieder neues Leben ein
Bilder in die Haut gebrannt
sind leere Versprechungen.


Windräder

Wenn das Schiff
in den Hafen einläuft
werden alle Fenster und Türen
sofort geöffnet.
Wo eben noch die Ziegen
über die Straßen flanierten
klappern jetzt die Hufe
der Pferdedroschken.
Es besteht Hoffnung
dass die Besucher
sich nicht um die Armut
der Landbewohner scheren
und aus ihrer Habsucht
keinen Hehl machen.
Jeder Besitzwechsel
hat seinen Preis.
Gut, dass es das Unnütze ist
welches Platz schafft
für die Qual der Wahl
unter den Andenken
der flüchtigen Erinnerung.


Wasserräder

Im unheiligen Ashram
der Delfine
bereitet sich die Sonne
ihr Wolkenlager.
Das Wasser hat ein dunkles Tuch
ausgeworfen.

Vom krisengeschüttelten
Festland ist weit und breit
nichts zu sehen.

Die Freibeuterei ist der Sanftmut
gewichen.
Ein ferner Blitzschlag
erinnert daran
wie schwer es den

unkontrollierbaren Kräften
fällt, ihre Energie
im Zaun zu halten.


Schiff ohne Räder

Bericht von einer geraubten Nacht
und apokalyptische Bilder.
Eine alte Frau geht durch die Wand
Blumengrüße aus dem Fernseits
Ein Schiff rast über das Meer
dass der Sturm vergisst
Luft  zu holen.
Fenster und Türen schlagen sich
auf die falsche Seite.
Der Kapitän unterwirft sich
dem Gebot der Stunde
ohne Herr der Lage zu sein.
Die Überalterung der Passagiere
wetteifert mit der Jugend
der Mannschaft.
Der Tagesbefehl lautet:
So schnell wie möglich
so viel wie möglich
so lange es geht.
Die Uhren werden gestellt
Die alte Frau zählt die Stunden
alle müssen mit allem rechnen.
Götter aus Gips
Helden aus Kunststoff
Landschaften aus tief gezogenem Plexiglas.
Es gibt nichts was es nicht gibt
sagt der Beton.
Ohne Preisaufschlag
schlüsselfertig erstarrt
als Botschaft an das Gewissen
oder die individuelle Wahrnehmung.
Zerrbilder blasen zum Angriff
auf den schönen Schein
Ende offen.


Radwechsel

Es ist nicht die
Homerische Morgenröte
sondern der Untergang
der drei Abendsonnen
des Planeten
über dem Müllberg
dem Arbeitsamt
und der Zentralbank.

Die Sonnenstrände
gehören denjenigen
deren Geldbeutel
keine Löcher haben.
Das Land zerrinnt
zwischen den Fingern
des Fortschritts.

Kein Erwachen lockt
sondern die schwarzen Segel
auf dem ägäischen Meer.


Mit dem Suizid des Königs
ist es nicht getan.
Die Seele soll
in den Kassen klingeln.



Radkreuz

Gen Osten ziehen
über die Kieselstraße
deren Steine senkrecht
den Boden perforieren.
Steil aufragend
die Mauern hinter denen
sich die Besserwisser
verschanzt haben.
Mächtige Kanonen
gegen das eigene
Löwenherz gerichtet.
Fensterlose Fluchtwege
in deren Schutz sich
die Ungläubigen
gleich streunenden
Tunnelratten
um die Tische
des Herren versammeln.
Der unveröffentlichte Satz
übernimmt keine Gewähr
für seinen Wahrheitsgehalt.


Ankunft ohne Rad

Früher legte der Stationsvorsteher
sein Ohr auf das Gleis
um rechtzeitig über den
zu erwartenden Ansturm
der Neuankömmlinge
auf dem Laufenden zu sein
Heute legt er virtuelle Hand an
um seine Nachrichten
vor Ort weiter zutragen.
Es ist schwer zu sagen
in welchem Maße
mit dem Landgang
der Neugierigen auch
alle Erwartungen
erfüllt werden können.
Plunder und Preziosen
sind nicht auf einen Blick
zu unterscheiden.
Der Besitzwechsel adelt
nur denjenigen, der
auf der richtigen Seite
des Tisches steht.


Kurswechsel

Die Herde der Himmelspferde
wetteifert mit den Schwärmen
der Meeresbewohner.
Der Versuch, den Sieger
zu ermitteln, führt zur Niederlage.
Den Berechnungen
der Feuervögel folgend
liefert der Regenbogen
leichten Herzens den Beweis
für seine Unvergänglichkeit.
An seinen Polen
gefriert der Augenblick.
Zahlenkolonnen verirren
sich im Labyrinth des
Unberechenbaren.
Das gesprochene Wort
manifestiert den Widerspruch
der nicht gestellten Frage.


Steinrad

Die Piraten haben
den Gott des Meeres
um sein Erbe betrogen.
Der Vergänglichkeit preisgegeben
ist ein Kampf entbrannt
der einem Teufelspakt entspringt.
Die Steinmetze fürchten sich
vor dem Auge des Bösen.
Der Anblick des Unsichtbaren
nimmt ihnen allen Mut
Das Orakel der Einfalt
skandiert den Ruf der Spötter
Zentimeter um Zentimeter
bricht das Herz.


Zeitreise

Auf einem verrotteten Schiff
mit zerfurchten Planken
parken unzählige Vogelschwärme
die sich für ihren Abflug rüsten.
Riesige Wohnblocks widersetzen sich
scheinbar den Gesetzen der Statik.
An Kais liegen Schiffe
welche schon lange keine Passagiere
mehr gesehen haben.
Der Sonntag geht längsseits
und nimmt mit seinen rostigen Trossen
die Eisenpoller in den Würgegriff.
Schatten warten nicht
sie kriechen langfingrig
in Straßen und Gassen.

Es ist gut für denjenigen
über sein Schicksal mitentscheiden
zu können, der sich nicht mehr
zu Hause fühlt.
Die einen träumen von einem Leben
vor dem Tod
die anderen begeben sich
aus freien Stücken
unter das Kuratel der Rechthaber.

Drei Millionen Quadersteine
werden in zwanzig Jahren
zu einem Keil gestapelt
der das Himmelstor aufstoßen soll.
Doch die Tür fällt ins Schloss
noch bevor der Schrein der Weisen
seine Erkenntnis freigeben kann.
Sich selbst klein machen
und die Schuld dafür
in der Natur der Sache suchen.
Eine Spur legen
die ins Unfassbare führt.
Auf bessere Zeiten warten.
Bewässerungssysteme heucheln
sattes Grün, an dessen Wurzeln
Schwermetalle immer neue
andersartige Knospen
sprießen lassen.
Schwarzes Tuch ist kein Schutz
vor Übergriffen, bunte Farben
signalisieren Unterwerfung.
Das Stammeln der Schiefertafel
findet keine Antwort
auf den schwebenden Arm.
Warum den Fels schneiden
wenn es am Ende
keinen Sieger geben soll.
Warum der Versuchung nachgeben
wenn es für die Anziehungskraft
der Dunkelheit keine Erklärung gibt.
Plastikkadaver und Eisenhaut
bilden das Ufer
an dem die Flussschiffer
ihre Netze auswerfen.
Es der Eingebung leicht machen
damit sich Gedanken ausbreiten können
denn was kümmert es das Geröll
wenn der Berg mit
seiner eigenen Größe
nichts anzufangen weiß.


Quartrad

Die vier Elemente:
Energie, Wahrnehmung
Nachsicht und Verstand.
Auf der Hut sein
vor ganzen Sätzen.
Kühnheit, die keinem Beben
standhält, ist zum
Scheitern verurteilt.
Lieber Tor sein
als Wächter
Auch wenn der Schein
mit Anerkennung lockt.
Sich tragen lassen
ohne einer Gefährdung
ausgesetzt zu sein.


Wenn der Zufall
sich zum Richter macht
hat die Vorsehung
keine Chance.


Gespräche am runden Tisch

Auch wenn alles
schon mal da gewesen ist
könnte alles noch
viel schlimmer sein.
Kommt es viel schlimmer
kann sich keiner
mehr erinnern.
Weil keiner mehr weiß
wie alles angefangen hat
wird es nicht mehr
von Bedeutung sein
was sich eigentlich
hätte ändern können.
Wenn alles schlimmer kommt
als es je vorstellbar gewesen wäre
wird keiner sagen können
was absehbar war.
Keiner kann sich vorstellen
wie schlimm es kommen wird
so dass alle schon jetzt so tun
als ob es besser wäre
dass es sich keiner
wird vorstellen kann.


Einrad

Auf einer Sackkarre
stapeln sich Fehlentscheidungen.
Verlockungen tragen  
eine verspiegelte Brille.
Das Schamgefühl will
unerkannt bleiben.
Blühende Zweige werden
luftdicht verpackt und mit
einem goldenen Band gekrönt.
Feilschen um Restbestände
fast alles ist käuflich.
Die gezeichneten Galgen
auf der Papierdecke
bleiben leer, weil
die Strichmännchen ein breites
Grinsen aufgesetzt haben.
Die Radarantennen funken
ihre Botschaften dechiffriert
in den Äther:
Es wird alles nicht so heiß
gegessen, wie es gekocht wird
aber es bleibt genug Gelegenheit
sich den Mund zu verbrennen.
Ist das große Los entwertet
gewinnt Wunschdenken
die Oberhand.


Drehung

Die Musik ist dieselbe geblieben
von dem großen Theodorakis
mit dem warmen Gesang
von Maria Farandouri und
Pedros Pandis.
Es gibt Kämpfe, die ohne
Waffen geführt werden
doch das gute Ende
steht noch aus.
Der Weihnachtsmann
bietet einen Schweinskopf feil.
Der Metzger lässt das Hackmesser
wuchtig auf den
Rippenbogen krachen.
Männer lassen ihre Perlenkränze
zwischen den Fingern
hindurch gleiten, während sie
im Kaffeehaus darauf warten
dass es besser oder
wenigstens nicht schlimmer wird.
Dieses Weihnachten ist das Fest
des Stühle rücken.
Die privilegierten Taschen
der Einen bersten
vor Überfluss
dagegen werden die Beutel
der Anderen mit
Enttäuschung gefüllt.

Großer Dichter in der Fremde
Thymios Gazis
Liedersänger zweier Welten
unbeirrbar und unbestechlich
auf dem Pfad der Weisen.
Die Götter sollen ihm das Banner
halten, so wie es die Betrogenen
tun, um ihren Forderungen
unter der Arkade des Widerspruchs
Nachdruck zu verleihen.
Die Lotterieverkäufer sind außer Atem
von der unnützen Jagd
nach dem Glücksgriff.

Flickwerk des Abgesangs
der Europa
auf ihre unehelichen Kinder.
Das Café am Markt
umwirbt seine Gäste
mit dem Logos der
schwebenden Hand.
Natürlich ist der Kaffee
stark und gut für
unbequeme Fragen
auf bequemen Stühlen.
Wie gerne würde der Wirt
selbst Verse schmieden
doch stattdessen spaltet er
das Grillholz als wäre es
der gebrochene Arm des Gesetzes.

Die Kronleuchter schwingen
in den Metallschüsseln
der Dezimalwaage.
Die Ikone des Gregorius
wehrt sich gegen die
Falschmeldungen auf den
Titelseiten der Gazetten.
Es liegt kein Segen
auf den Fangzeilen
der Periodisten, selbst wenn
sie das letzte Wort hätten.
Versammlungen werden
zu Gruppen aufgelöst
und am Schluss bleiben
noch wenige Diskutanten.
Das Rot in den Herzen
der Hitzköpfe schmort
in der eigenen Glut.
Sind die Lettern fremd
bleibt eine gewisse
Ratlosigkeit zurück.
Ein verlegenes Lächeln tropft
in den See der Verständigung
damit die Ausgelassenheit
große Mengen Freudentränen
ausschüttet – immer wieder
und überall.


Durch die Meerenge

Das Mondschiff hat die Küsten
soweit auseinandergedrängt
dass es unbeschadet passieren kann.
Die Bilder, die es in das Wasser malt
lösen sich sprudelnd in nichts auf.
Der Steuermann lässt sich
trotz der Einwände
einer inneren Stimme
nicht vom Kurs abbringen.
Doch die riesigen Rostblumen
an seinen Revers
sind ein Hinweis darauf
was den Passagieren
blühen kann.
Die Fraktale des Bugwassers
entziehen sich jeder
Berechenbarkeit.
Lass Dir den Zweifel
nicht nehmen
weil zu viel auf
dem Spiel steht.


Losgelöst

Zu guter Letzt
soll der Himmel
für alles und jedes
als Zeuge herhalten
aber auch Täter sein
und Widerpart.
Flüchtig die Wahrnehmung
rätselhaft die Erscheinung.
Wenn es darum geht
Worte durch Taten zu ersetzen
zieht eine ehrgeizige Hand
eine Linie um den Erdball  
und sei sie noch so gerade
so bleibt sie doch unnütz.
Denn was zählen soll
ist die Geschwindigkeit
der kürzeste Weg
die schnellste Entscheidung
je einfacher
desto besser
mit vollem Risiko und
gegen alle Vernunft.

Im Kreis des
magischen Zirkels
sammeln sich Tränen
der Freude
des Mitgefühls
der Scham
der Ohnmacht
des Entsetzens.
Ihre Rinnsale fällen das
Lot auf die Trauer.
Überall lauern
stumme Diener darauf
Fahrscheine für die Reise
durch das
eigene Leben
zu entwerten.
Kleinbeträge summieren sich
zu Schuldenbergen
eine innere Stimme
wehrt sich vergeblich
gegen hochfliegende Pläne.

Nicht selbst schreiben
sondern schreiben lassen
nicht selbst singen
sondern singen lassen
nicht selbst befehlen
sondern befehlen lassen
nicht selbst handeln
sondern handeln lassen
weder selbst leben
noch leben lassen.
Die Früchte des Zorns
trocknen in den Speichern
der Ablehnung.
Die Teller der Suppenküchen
sind nicht tief genug
um alle leeren Versprechungen
aufzunehmen
während die Habgier
aus dem Vollen schöpft.
Die Riten der Einfachheit
werden zu Ritualen
der Vereinfachung.

Einem Wesen
gut zu reden
das sich unfrei fühlt
führt geradewegs
in Abhängigkeit.
Die Verlockung ist groß
die bekannten Welten
nur mit  zwei Fingern
zu regieren
den Schalter umzulegen
um mit einer Geste
alles bisher
Dagewesene
zu überrumpeln.
Ein neuer Routenplaner
für den Globus
als Testlauf
für ein anderes
Universum.
Damit sich das Denkbare
in ein schlechtes Omen
verkehrt
und das Unmögliche
zur glücklichen Fügung.


Rueda azul

Das Meer mit den
Augen eines Vogels
sehen
oder mit denen
eines Fisches.

Die Palette der Gefühle
mischt sich
mit den schöpferischen Phasen
der poetischen Linie.
Das Gegenständliche
ist so wenig greifbar
wie das Unfassbare
Gestalt annimmt.

Die Wolken
tauchen
unermüdlich
den Aquarellpinsel
in das Meer
um der
Veränderung
willen.

Was sich
erinnern lässt
will sich
harmonisch
einfügen
um dagegen
aufzubegehren.

Das Ungefilterte
des inneren Auges
zerfließt in den
Verfärbungen der Iris.
Übermalen heißt
durch und durch
sehen.
Beim Tanz
der Pinsel
sollen auch die
Zeichenstifte
ihren Spaß
haben
damit sich
die Sinne
ineinander
verschlingen.


Hacer la Rueda

In den Höfen
liegen noch keine
Beeren und Mandeln
zum Trocknen aus.

Der Wein des letzten Sommers
schmeckt rau
wie die Hände
die ihn geerntet haben.

Im schönen Schein
bunter Karten
tanzen Kinder
um den Stein
der Weisen.

Die Dreschplätze haben
schon lange kein
reifes Korn mehr
zu spüren bekommen.
Der Boden wehrt
sich vergeblich gegen
trübes Wasser.

Erst wenn der Mohn blüht
werden Türen und Fenster
verriegelt.
Dann sprechen
fremde Laute
in Bildern
voller Rätsel.

In einer Kammer
wird die Nacht enthüllt
um den Morgen zu täuschen.
An rostigen Nägeln
sind die Besitzstände
sorgfältig aufgespießt.

Je mehr Zeit zu Geld
wird, um so weniger
Raum bleibt
für Geschichten.
Alle Kräfte sammeln,
weil sie gebraucht werden
um schwach zu sein.


Venda de Rueda

Gerade, weil die Stunden
im Sekundentakt drehen
soll nichts von dem
verloren gehen
was einmal
bleiben sollte.

Es kann ja sein
dass die  Nachkommen
einmal fragen
welchen Sinn
diese übertriebene Eile
diese elende Hetzerei
eigentlich hatte
genauso wie die Generationen
von heute
bohrende Fragen
an die Alten
gestellt haben
nach den unzähligen
Schrecken
nach Schuld
und Vergessen.

Wer für andere
den Rücken krumm macht
liest die Fährte
des aufrechten Gangs.


Bones Festes

Ist jeder jedes Freundes Freund
ist jedes Feindes Feind
ist dein Feind auch mein Feind
ist dein Freund auch mein Freund
wer will wen zum Feind
wer will wen zum Freund
wer ist gegen jeden
oder ist einer für alle
wer möchte in wen hineinschauen
wer möchte wie weit vorausschauen
was sagt das Schweigen
wenn alles gesagt ist.


Richtung Nordost

Nachtlicht oder Dunkel.
Die Landschaft
ist erstarrt
in Quadern aus Eis.
Sehnsüchte liegen brach  
Wellen schlagen
tiefe Furchen in das Wasser,
unvorstellbar abweisend und nah.
Jede Annäherung wird zu einem
Kampf mit dem Unfassbaren.
Hoffnungsschimmer sind
in ihrem Elemente:
Wasserstraßen nehmen Rücksicht
Auswege halten sich
in einer Salzkruste versteckt.
Glanz macht
Elend sichtbar.
Eine schnelle Entscheidung,
markiert die Falllinien.


Heimfahrt
 
Ungezählte Male Zug um Zug unterwegs
mit und ohne Zeitverlust:
Erst von der Stadt der Deutschen Klassik
in die Stadt des Geldes und dann
in die Welt der Zeitenwende.
Unterwegs auf einen gut geölten
Verteidigungsminister treffen
der die Kampfpause nutzt
zum Schnupperkurs.
Auf der dritten Seite menschelt es
ganz fürchterlich.
Der Außenminister, der noch nie
ein Mädchen geküsst hat, sucht
eine Rockerbraut in Lack und Leder
auf der Selbstsuche nach Vorbildern.

Weiße Westernstiefel taumeln
während der Tunnelfahrt
durch die Gänge.
Ein gebleichter Schopf , auf dem
ein Schimmelpilz gammelt,
signalisiert Zweideutiges.
Der Kontrolleur erkundigt sich
nach dem Befinden der frühreifen
Tochter der Zugbegleiterin.
Es ist die Rede vom Verkauf
eines alten Motorrades und
einem neuen Freund.
Draußen weidet milchige Luft über
vorbeifliegenden Wiesen und Dörfern.
Endlich ist der Winter vorbei,
nicht ohne kalten Herzens
Drohungen zu hinterlassen.

Überfliegen, ohne Neues zu erfahren
Politikerfrühstück einer mächtigen Frau
mit dem unschlagbaren Terminator
während der Papst einem Obergriffel
die Wahl lässt zwischen Erlösung
und Verdammnis.
Alles, was zählen soll, ist schwarz:
die Anzüge
die Limousinen
die Soutanen
die Stiefel
die Schlagwörter
das Unwägbare.
Es hat lange keinen Streit mehr gegeben.


Ein Redner protzt deshalb damit
alles anders zu machen.  
Auf den Monitoren finden Kämpfe
ohne Blutvergießen statt.
Es soll nur noch Sieger geben.
Dafür regnet es Asche, weiter
als das Auge reicht.
Plan B heißt Irrfahrt
im Niemandsland.
Hilflos klappt der Fortschritt
seine Schirme zu.

Ankunft in einer Zwischenwelt.
Auf den Gepäckwagen türmen sich
üppige Papiersträuße
mit verfremdeten Düften.
Ein Fenster öffnet sich
wie von Geisterhand.
Zeichensprache als Bilderrätsel
der Alleskönner.
Die Magie der Plastikharfe
lässt die Saiten springen.
Die eine Hand für die Essstäbchen
die andere für das Mobiltelefon.
Unzählige Lebenslinien
auf kleinstem Raum.
Biographien auf der Suche
nach einem neuen Zuhause.

Eine Gleichung mit
unzähligen Unbekannten.
Entfremdetes Land für fremdes Geld.
Das Eigentum zieht sich
in seine Waben zurück.
Füße stapfen über Gleise.
Gefahr droht vom schwankenden Schritt.
Eine Tafel verspricht, nur noch
fünfhundert Meter Fußweg.
Auf maroden Blanken
bei geöffneten Türen
den Überblick behalten.
Ende einer Busfahrt.
Manchmal bedarf es nur
eines Lächelns und alles
wird wieder gut.
Wo sich früher Fahrräder abstrampelten
werden jetzt krächzende Gespanne von
lautlosen Vehikeln ausgebremst.
Ein Ticket lösen und geduldig
anstehen auf dem Pfad
des Widerspruchs.
Maskierte Gesichter und
kunstvoll geknüpfte Bänder allein
bringen kein Glück.
Fremde Welten, Tür an Tür.
Der Baseballspieler wagt den Sprung
ins Nichts und trifft auf
gebündelte Verheißungen
einer berstenden Ladefläche.

Die Parade der Betonmischer
überrollt den Aufmarsch der Zauderer.
Ein Bild im Äther wandert querfeldein
über die Leuchtspur gegen den Willen
seines Schöpfers.
Das Monument der Wolkenmacht
ist die Losung für den Morgenregen.
Grün schmeckt nach Asche.
Gedichte lernen in einer
fremden Sprache
und an neuen Bildern festhalten.
Wettfahrt dreier Lastenaufzüge
die gegeneinander angetreten sind
um den Preis für den Schnellsten
aus den Händen der Steinmöve
entgegenzunehmen.

Trotz heftiger Gegenwehr
der Meteorologen
durchbricht der Wind
in stürmischen Intervallen
die Phalanx aus Mörtel und Rohrgeflecht
im Interesse derjenigen, die es eilig haben
und denen die Müßiggänger
ein Dorn im Auge sind.
Keine Spur von Neugierigen.
Sirenen heulen den Mond an
damit die Fischer ihre Netze fertig machen
für den großen Fang.
Verfolgungsjagd auf der Kriechspur
bis die Sonne ihre Schleusen öffnet
für das Himmelsgespann.
Es werden noch Gebote auf das Morgen
angenommen, damit Raum bleibt
für unerwartete Hindernisse.
Ein Kreuz hält sich eine Hintertür offen
damit ihm falsche Hoffnungen
nicht in letzter Minute
die Schau stehlen können.
Umdenken auf Umwegen.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln
lässt sich jedes Ziel erreichen
für das sich ein Fahrschein
lösen und entwerten lässt.
Wenn das Land allen gehört
lässt es sich leichtere
an den Mann bringen.
Ausverkauf in großem Stil
hat nicht den Charakter  
von Kapitulation.
Der Architekt baut ein Haus
auf Sand, damit der Besitzer
auf seine Kosten kommt.  


Feuerrad

Von weitem schon zeigt sich
ein brauner Koloss
der sein Schicksal in den
schwärzesten Farben malt.
Es hätte alles so schön und leuchtend
sein können, wenn der Anfang
von seinem Ende gewusst hätte.
Zwischen Kühnheit und Eitelkeit
pendelt die Versuchung hin und her
jederzeit bereit zu scheitern.
Nichts klärt sich von selbst
und manchmal gibt es keine Lösung.
Durch das Netz der Verwirrung
wachsen Missverständnisse
mit jeder neuen Floskel.  


Himmelsgespann im Land der Räder

Beim ersten Besuch dreht sich alles
nur um den Einlass
in eine Verbotene Stadt
was mag der Grund gewesen sein
wie mag sie aussehen
denk an großes Kino
an den letzten Kaiser
dagegen war Wilhelm der Zweite
nur ein kleinerer Fisch.
Zum Empfang klingt es wie
Sprechgesänge ohne Noten
Gedränge und Geschiebe
Brummkreisel und Jo-Jo-Spiele
Maiskolben und Flüstertüten.
Menschen marschieren voller
Neugier im Gruppenzwang.

Wo früher das Gesicht ehrerbietig
in den Staub der Geschichte gedrückt wurde
steigen jetzt bunte Drachen auf.
Die Alten versammeln sich beinahe täglich
zum Wiener Walzer
die Jungen treffen sich auch
ohne ersichtlichen Grund.
Der Gewohnheit wegen
der Abwechslung wegen
der Rituale wegen
wie überall auf der Welt.
Ein Mädchen bittet um ein
gemeinsames Foto mit einem
Fremden, so als wäre alles
ein wenig Hollywood.
Doch aus Verlegenheit ist
noch kein Filmheld zum Star geworden.

Manches erinnert auch an American Football
auf der anderen Seite der Erde
Kulissen für die Nostalgie und den Umsatz
der Souvenir-Verkäufer.
Hände baden in einem Meer von Ketten
und Porzellanfigürchen
Schnitzereien und ungelenken Kopien.
Zur Strafe der Altzeit protzt die Neuzeit
mit allem, was die Pressen hergeben.
Ein vielfarbiger Blumenwagen
pfeift mit seinen Bremsen
zur Melodie des Kutschers.
Die Hände der Elevinnen zappeln
in goldenen Stiefeln im Gleichtakt
und winken mit glitzerndem Lametta.
Was wäre das Leben doch so langweilig
ohne die Prüderie der Neugierigen.
Lautsprechergeplärr mischt sich
mit den wütenden Fanfaren des Fortschritts.
Mit weltmännischer Gelassenheit verfolgen
Zockergruppen, die unerkannt bleiben wollen
ein Würfelspiel, das keinen Gewinn abwirft.
Bevor es dunkel wird, versuchen sie ihr Glück
bei einer unbekannten Schönen
die ihre Sprache spricht und eilfertig
immer neue Lose aus dem Hut zaubert.
Eine Straßenbahn fährt ohne Strom
nach der Pfeife des Schaffners.
Ein alter Schwede vermisst seine Frau
und hält wortreich um das Herz
einer junge Dame an, in deren Hand ein
goldfarbenes Funktelefon funkelt, das auch noch
Bilder und Börsenkurse abrufen kann.
Das Eheversprechen wird auf dem Funkwege
an die Adressen der Brautjungfern geschickt.

Der Champagner bleibt aus.
Ohrenzeugen erheben Pappbecher.
Zur Feier des Tages werden Blicke getauscht
Verabredungen getroffen und hinter
vorgehaltener Hand längst fällige
Entscheidungen eingefroren.
Nichts soll bleiben, wie es war
alles soll noch aufregender werden
noch bunter
noch festlicher
voller erfüllter Wünsche
und wunschloser Nächte
das Gute dem Besseren geopfert
das Universum soll sich wundern
was geht es die Sterne an, wenn die
Leuchtreklamen heller funkeln.
Zwei alte Männer in Seide
sind zu ihrem Ebenbild versteinert.

Ein Bildhauer hat Musikanten
für das nächstbeste große Fest
mit ihren Geigen in Bronze gegossen
Ähnlichkeiten sind ausgeschlossen.
Eine gewisse Starrheit ist gewollt
weil sie sich nicht vermeiden lässt.
Über einen roten Kokosläufer
führen Treppen in das Reich der Fische.
Die Auslagen sind mit roten Borten geschmückt.
Eine schwebende Hand übermalt die Wände
mit Felsen und Wasserfällen.
Es werden kandierte Früchte gereicht
und exotische Köstlichkeiten kredenzt.
Zum Finale werden Girlanden ausgerollt
und Feuerwerkskörper gezündet.
Es werden Filme belichtet für die Nachwelt
und graziöse Posen zum Vorbild erklärt.  
Vor den alten Fassaden, die ihr altes Leben
nachempfinden sollen, türmen sich
Stangen aus fünfjährigen Eisen.
Die schwankenden Holme sind
zu einem Plattform verknotet.
in luftiger Höhe hat sich ein Tagelöhner
zur Ruhe gelegt. Von seiner Sommerjacke
ist ihm nur der Schatten geblieben.
Das Rohrgestell kann keine Heimstatt sein.
Wer seinen Sturz nicht fürchtet
ist für Höhenflüge gerüstet.


Rad an Rad

Wie vor hundert Jahren
sind die Garagenlager
aneinander gereiht.
Kilometer um Kilometer.
Ihre Bestände bersten
aus allen Nähten.
Wohnen, essen, arbeiten
in einem Atemzug.
Jeder Platz ist gut genug
für ein Schläfchen
und sei es hoch oben
in den Seidenballen.
Wie vor hundert Jahren
wetteifern die Rikscha-Fahrer
um zahlungskräftige Passagiere.
Vor den Konsumtempeln  
beten die fliegenden Händler
um einen Geldregen.
Bei Gefahr lässt sich
die auf Decken drapierte Ware
mit wenigen Griffen zusammenraffen
und dann eilig das Weite zu suchen.
Die Zeiten ändern sich
schneller als die Menschen.
So werden aus hundert Jahren
vielleicht nur noch zehn.
Das ist ein Abschnitt
der sich noch denken lässt.
Eine Abrissbirne taugt nicht
für lange Geschichten.


Radnetz

Augen und Ohren haben für alles
was sich bewegt oder sich
in eine Starre flüchtet.
Augen und Ohren, die sehen und
alles aufnehmen wollen
was um sie herum vorgeht.
Augen und Ohren, die sich verschließen
wenn der Ansturm an Unvorhersehbarem
zu groß wird.
Augen und Ohren offen halten
weil noch zu viele
Antworten ausstehen.
Je mehr Augen und Ohren nicht
alles glauben, was sie sehen und hören
umso weniger bleibt verborgen.  


Rad über Kopf

Allegorien der Farben
matt schimmernd oder
verwegen glänzend
getuscht oder hinter Glas
neue Zeichen, neue Sichtweisen
sich vermischen
vorwärts drängen
dahingleiten und aufstreben.
Was ist die Sache des Blaus
was die des Grüns
was macht das Rot
so unwiderstehlich?
Stufenweises Grau markiert
den Aufstieg in andere Sphären
dorthin, wo alles Stein ist
kalt und unberechenbar.
Der Blitz als Maßeinheit
für eine Schrecksekunde.
Sind die Sterne zum Greifen nahe
wenn der Himmel zweihundert Meter misst?
Wenn sich die Wale im Zeichen
des Neptuns paaren?
Der Blick ist nach oben gerichtet
weil der Fuß dem Boden misstraut.
Ein Foto mit Mars und Saturn
durch trockenes Buschwerk aufgenommen.
Aus Sommer will Winter werden
und aus Frühling Herbst.
Die Wetterkarte als vorerst letzter Blick
in die Zukunft.


Spazierfahrt
 
Ich wollte zum Haus des
großen Dichters Lu Xun.
Rechts und links der Straße
duckten sich graue Häuser
mit blauen Schindeldächern.
Männer fuhren vorbei
die schaukelten Pakete
mit schwarzrunden Briketts
auf ihren Gepäckträgern.
Ich wollte mir wenigstens
ein Bild machen oder eines betrachten
zum Beispiel, das, welches
der Maler Zhang Liguo
von ihm porträtiert hat damals.
Der Platz vor dem Haus
war versperrt und ein Pflasterer
setzte sorgfältig Stein an Stein.
Lässt alles schön herrichten
der Meister, dachte ich bei mir
so schön, wie seine Verse
die ich nie ganz verstehen werde
auch wenn ich noch so sehr wollte.


Flusslauf
 
Der Himmel kennt
keine Wolken
Die Schatten halten sich
hinter der Sonne versteckt.
Zwischen feinen Linien
und malerischen Strichen
fließt das Weiß.
An den Ufern
gleitet wortlos
aber nicht stumm
die Lebensader entlang.
Den Blick schweifen lassen
Schwarz auf Weiß
weitsichtig und dicht
unter Oberfläche und Grund.
Wie die Leichtigkeit des Felsens
der aufsteigt und
über dem Wasser schwebt.


Aufbruch

Häuser sind zur Stafette angetreten.
Der Straße bleibt keine Minute Zeit
sich zu unterwerfen.
Die hektisch wechselnden Leuchtschriften
an den Fassaden mischen sich
mit dem Scheinwerfern der Auslagen.
Zwischen Bahngleisen breitet
die Ungeduld ihre Waren aus.
Den Unentschlossenen treibt die
Neugier, weil der Tag
nicht mehr zu stoppen ist.



Fahrt in den Abend

Tigersprung über fließende Steine.
Zwischen Monolithen aus Stahl und Glas
steigen an unsichtbaren Ketten
funkelnde Drachenaugen
zu den Sternen auf.
Gesang aus einer müden Kehle.
Über den Teppich aus Staub und Sand
rollen tausende Räder.
Rotviolettes Funkeln
wie von Geisterhand
als Warnung an das Chaos.
Zwischen Bäumen wartet
ein Dreirad an eine Kette gefesselt
auf den Aufbruch seiner Kleinfamilie.
Ein ganzes Stadtviertel
wächst aus farbigen Luftschläuchen
wild entschlossen
jedem Sturm und Beben zu trotzen.
Fremdes wirkt plötzlich nah und
ein Gefühl von Vertrautheit
stellt sich ein.
Der Wunsch, möglichst viele
an dem teilhaben zu lassen
was die Sinne bewegt.
Freundschaft entsteht
durch mitfühlen und mitdenken
ohne Rücksicht auf das
was es nach sich zieht.     


Radlos

Bilder altern.
Je schneller die Bilder altern
umso schneller altern auch die
die sie geschaffen haben.
Immer mehr Bilder altern
in einer Welt, die sich entfernt
von denen, deren Bilder
die Welt bewegen sollen.
Abbild sein
um ein Bild zu schaffen
das vergeht.  


Rundfahrt
 
Es scheint, als seien der Wahrnehmung
keine Grenzen gesetzt.
Einen Tonnen schwere Röhre
gleitet auf drei dürren Rädern
ungehindert durch Häuserschluchten.
Kopfüber und mit den Händen
an der Hosennaht
reitet ein Fremder
auf einem gehörnten Rücken.
Die Hinterhand des Esels
gibt dem Gatter Rätsel auf
während das Silberpferd
dem Reiter die Sporen gibt.

Mitten im Meer der Ruhe
Gruppenbild mit Wolken.
Verbrüderung, um dem Ansturm
gewachsen zu sein.
Stillschweigende Übereinkunft
über das, was ist
und das, was bleibt.  


Radwechsel

Das silberne Kruzifix
ist der Auferstehung
der Glücksritter geweiht,
Ein schwarzer Sumo-Ringer
stellt sich den Pilgern
in den Weg.
Aus einem Container
steigt Rauch auf
Zaungäste reiben sich die Hände.
Opfergaben wechseln unter dem Ladentisch
den Besitzer, ohne nennenswerten Verlust.
Mit dem Schlange stehen
für das Recht auf Reichtum
verliert die Armut ihren Wert.  

Wie Tropfen fallen Zeichen
auf ein Stück Papier.
Ist es ein Vorhang
der sich hebt
oder ein Schleier
der sich lüftet.
Ein Zeilenfall
aus schwarzer Tinte
für den Unwissenden
als verschlüsselter Inhalt.
Er bleibt ein Geheimnis
trotz geöffneter Seiten.
Von rechts nach links
von oben nach unten.
Lautlos fesselt es den
der sich davon
lösen will.


Aufbruch

Tausende sind auf dem Land
groß geworden
aber die Städte bleiben
in der Überzahl.
Die Schleichwege zwischen Hängen
brechen auf und
vergrößern unaufhaltsam
ihren Aktionsradius.
Dolden versteinern und
wachsen trotzdem weiter.
Die Bescheidenheit wohnt
in einem Eimer mit Asche.
Not macht erfinderisch
wenn ihre Last
die Wahrnehmung
herausfordert.

Es finden Gespräche statt.
Es werden Räume geöffnet
und Türen fallen ins Schloss.
Eine Handlung wird frei erfunden.
Es sind Menschen zu sehen.
Es werden Bilder gemalt.
Es werden Ateliers verdunkelt
und Scheinwerfer blitzen auf.
Der Strauß der Nachtlotos
rückt in den Mittelpunkt
des Geschehens.
Es müssen Spuren gelesen
und Plätze reserviert werden.
Wem an einem guten Schluss
gelegen ist, der
lässt das Ende offen.  


Unter die Rädern kommen

Der Zeitpunkt war gut gewählt
noch bevor
es verdächtig schien
auf Reisen zu gehen
bevor es suspekt wurde
neugierig zu sein
auf fremde Kulturen
ohne dass
jeder Schritt
unaufhaltsam in die
digitalen Archive führte.

Wenn es heißt
dass der Blaue Planet
eine Scheibe ist
so beschreibt dies nur
ein kleines Stück
der Wirklichkeit
denn in der Zwischenzeit
wächst die Zahl der
Datenträger ins Unermessliche
um deren Weltbild
sich alles dreht.

Der erste Eindruck
von einem kurzen Ausflug
in die Stadt
der aufgehenden Sonne
zeigt, wie gnadenlos
sich der Alltag
mit der unterwürfigen Haltung
im Minutentakt
inszenieren lässt
mit einem Berg
der sich bei schönem Wetter
unsichtbar macht
und einem künstlichen See
vor des Kaisers Palast.
Eine Eskorte
mit pinkfarben leuchtenden
Knüppeln
macht der Kaiserin
beim Verlassen
ihres Palastes
den Hof.

Die Frage nach einem
verwundeten Blauwal
wird an der Rezeption
mit einer tiefen
Verbeugung beantwortet.
Auf dem gegenüberliegenden
Dachgarten übt
ein Hausmeister
den Kotau vor
einem heiligen Schrein.

Ein paar tausend Meilen
weiter südlich
gibt es Rolltreppen
die nicht durch Kaufhäuser
oder in U-Bahn-Schächte
führen, sondern mit einer
provisorischen Überdachung
die Berge hinauf.
Wer kann mit Chopsticks
Löcher in Wände bohren.
Wo findet sich
ein Ort, an dem
man vor dem
Dialekt verschont
bleibt, der den
Daheimgebliebenen
die asiatischen Schrecken
schönredet.

Zurück zu den
Garküchen
die das Arbeitslosenproblem
lösen wollen.
In den Parklücken warten
abgetakelte Kleinbusse
auf das böse Ende
filmreifer Szenen.
In den verbeulten
Karossen
sitzen kein
Arnold Schwarzenegger
der mit Muskeln spielt
und kein Bruce Willis
der mit seinen Blicken
den Skriptgirls
die Wangen rötet.
Vor den noblen
Restaurants
stehen die teuersten
Limousinen in
Dreierreihen.
Die livrierten Chauffeure
machen den Eindruck
als möchten sie
ihren Herren
jeden Wunsch
von den Augen
ablesen.
Sie interessieren sich
nicht für
die Farbe des Blutes.
Für sie heißt es
Zwischenstopp machen
in einer früheren Welt
deren ehemalige Herren
die Beleidigten herauskehren
weil die einfachen Leute
ihre Schläge nicht
einfach mehr
wegstecken mochten.
Ein älterer Herr
führt seinen
Regenpfeifer
spazieren.
Zwischen Nobelfassaden
haben Stadtstreuner
ihre Gräben ausgehoben
stets bemüht, sich
vor den lauernden Blicken
der Wachmänner
in Sicherheit
zu bringen.

Wer es sich leisten kann
nichts und niemanden
zu fürchten
lässt andere den Preis
dafür bezahlen.


Alles dreht!

Als Außenseiter
mitten drin sitzen
in einem Bazar
dem nichts heilig ist
und wissen
dass es etwas gibt
was sich nicht
mit Geld bezahlen ließe.

Eine neue Zeitrechnung
wiederentdecken
doppelt so schnell
und geteilt
durch Berechnungen
deren Ergebnisse
sich zu Knoten binden lassen.
Das Leben beginnt
mit Formen aus
Gips und Lehm
und findet sein Ebenbild
in Werken aus Marmor.

Die Quelle des längsten Flusses
dieser Erde entspringt
einer Vermutung oder
dem frommen Wunsch
lange vor dem Wasser
das Licht der Welt
erblickt zu haben.

UPSIDE DOWN

für Moshe Susser

Getanzte Seufzer auf einem Stück Papier
ein Tränenlachen zwischen Buchseiten
als Teil einer unvergessenen Szenerie.

Abbildung einer monumentalen Skizze
die von Malern unter den Augen
eines Frühvollendeten festgehalten wird
der ein Auge auf eine Schöne geworfen hat
die ihm seine Ruhmlosigkeit neidet.

Airbrusher setzen in schwindelnder Höhe
ein Farblinie neben die andere
obwohl sie wissen, dass die vorbeieilenden Blicke
ins Leere gerichtet und empfänglich sind
für Ausflüchte und keine Versuchung auslassen
die dem Leben schöne Augen macht.

Eine Fahrt durch die Stadt am Hudson
kann nur Trip in einem Lincoln-Towncar sein
mit Gläsern aus Alkohol
und Schwaden aus kaltem Rauch
im Angesicht übereinander geschlagener Beine
die unter kurzen Röcken Raum greifen
um Platz zu machen für Fantasien.

Um nicht in dicken Fellen zu ersticken
wärmen sich die Insassen im Fond der Limousine
an ihren reißfesten Ganzkörper-Overalls
dekoriert mit Farben eines imaginären Vorhangs
dessen lebendes Theater kein Ende kennt
und Verlockung sein will in einem
verwirrend vergänglichen Spiel.

Fahrt über eine Brücke voll rauchender Colts
deren Konstrukteur schon längst
das Zeitliche gesegnet hat als Tribut
an die Unsterblichkeit kühner Ideen.


Kreisförmig

Als Außenseiter
mitten drin sitzen
in einem anderen Bazar
dem nichts heilig ist
und wissen
dass es etwas gibt
was sich nicht
mit Geld bezahlen ließe.
Eine neue Zeitrechnung
wiederentdecken
doppelt so schnell
aber geteilt
durch Berechnungen
deren Ergebnisse
die sich zu Knoten binden lassen.

Das Leben beginnt
mit Formen aus
Gips und Lehm
und findet sein Ebenbild
in Werken aus Marmor und Stahl.
Die Quelle des längsten Flusses
dieser Erde entspringt
einer Vermutung oder
einem frommen Wunsch
lange nach dem
das Wasser
das Licht der Welt
erblickt hat.


Hoch hinaus

Bestandsaufnahme
und Vorausschau
sich tiefer
verstricken
um höher
hinaus zu kommen.

Ohne Skepsis
keine neuen
Anstrengungen.
Schwindel
gegen Adrenalin
Wunsch
gegen Wirklichkeit.

Eindringen und
außer sich sein.

Ein Maler sitzt
mit seinem Tuschkasten
zwischen Himmel
und Erde
weil ihm
die Argumente fehlen.

Oben und unten
sind durch
eine feine Linie getrennt.

Baumeister wollen
das Paradies
umgestalten, weil
die Bilder schneller altern
als es die Erinnerung
wahr haben will.
Was wird besser
wenn nichts
bleibt wie es ist.

Neues ohne
das Alte.
Schwarze Sterne
auf weißem Grund.

Wenn es darauf ankommt
finden große Gedanken
Platz auf kleinstem Raum.
Grenzen sichtbar
machen
für ein Leben
ohne Mauern.


Freiheit auf Irrweg

Ungezählte Male Zug um Zug unterwegs
mit und ohne Zeitverlust:
Erst von der Stadt der Deutschen Klassik
in die Stadt des Geldes und dann
in die Welt der Zeitenwende.
Unterwegs auf einen gut geölten
Verteidigungsminister treffen
der die Kampfpause nutzt zum Schnupperkurs.
Auf der dritten Seite menschelt es
ganz fürchterlich.
Der Außenminister, der noch nie
ein Mädchen geküsst hat, sucht
eine Rockerbraut in Lack und Leder
auf der Selbstsuche nach Vorbildern.
Weiße Westernstiefel taumeln
während der Tunnelfahrt
durch die Gänge.
Ein gebleichter Schopf, auf dem
ein Schimmelpilz gammelt,
signalisiert Zweideutiges.
Der Kontrolleur erkundigt sich
nach dem Befinden der frühreifen
Tochter der Zugbegleiterin.
Es ist die Rede vom Verkauf
Eines alten Motorrades und
einem neuen Freund.
Draußen weidet milchige Luft über
vorbeifliegenden Wiesen und Dörfern.
Endlich ist der Winter vorbei, nicht ohne
kalten Herzens Drohungen zu hinterlassen.
Überfliegen, ohne Neues zu erfahren
Politiker-Frühstück einer mächtigen Frau
mit dem unschlagbaren Terminator
während der Papst einem Obergriffel
die Wahl lässt zwischen Erlösung
und Verdammnis.
Alles, was zählen soll, ist schwarz:
die Anzüge
die Limousinen
die Soutanen
die Stiefel
die Schlagwörter
das Unwägbare.
Es hat lange keinen Streit mehr gegeben.
Ein Redner protzt deshalb damit
alles neu zu machen.
Auf den Monitoren finden Kämpfe
ohne Blutvergießen statt.
Es soll nur noch Sieger geben.

Dafür regnet es Asche, weiter
als das Auge reicht.
Plan B heißt Irrfahrt
im Niemandsland.
Hilflos klappt der Fortschritt
seine Schirme zu.
Ankunft in einer Zwischenwelt.
Auf den Gepäckwagen türmen sich
üppige Papiersträuße
mit verfremdeten Düften.
Ein Fenster öffnet sich
wie von Geisterhang.
Zeichensprache als Bilderrätsel
der Alleskönner.
Die Magie der Plastikharfe
lässt die Saiten springen.
Die eine Hand für die Essstäbchen
die andere für das Mobiltelefon.
Unzählige Lebenslinien
auf kleinstem Raum.
Biographien auf der Suche
nach einem neuen Zuhause.
Eine Gleichung mit
unzähligen Unbekannten.
Entfremdetes Land für fremdes Geld.
Das Eigentum zieht sich
in seine Waben zurück.
Füße stapfen über Gleise.
Gefahr droht vom schwankenden Schritt.
Eine Tafel verspricht, nur noch
fünfhundert Meter Fußweg.

Auf schwankenden Blanken
bei geöffneten Türen
den Überblick behalten.
Ende einer Busfahrt.
Manchmal bedarf es nur
eines Lächelns und alles
wird wieder gut.
Wo sich früher Fahrräder abstrampelten
werden jetzt krächzende Gespanne von
lautlosen Vehikeln ausgebremst.
Ein Ticket lösen und geduldig
anstehen auf dem Pfad
des Widerspruchs.
Maskierte Gesichter und
kunstvoll geknüpfte Bänder allein
bringen kein Glück.
Fremde Welten, Tür an Tür.
Der Baseballspieler wagt den Sprung
ins Nichts und trifft auf
gebündelte Verheißungen
einer berstenden Ladefläche.
Die Parade der Betonmischer
überrollt den Aufmarsch der Zauderer.
Ein Bild im Äther wandert querfeldein
über die Leuchtspur gegen den Willen
seines Schöpfers.
Das Monument der Wolkenmacht
ist die Losung für den Morgenregen.
Grün schmeckt nach Asche.
Gedichte lernen in einer
fremden Sprache
und an neuen Bildern festhalten.
Wettfahrt dreier Lastenaufzüge
die gegeneinander angetreten sind
um den Preis für den Schnellsten
aus den Händen der Steinmöve
entgegenzunehmen.
Trotz heftiger Gegenwehr
Der Meteorologen
durchbricht der Wind
in stürmischen Intervallen
die Phalanx aus  Mörtel und Rohrgeflecht
im Interesse derjenigen, die es eilig haben
und denen die Müßiggänger
ein Dorn im Auge sind.
Keine Spur von Neugierigen.
Sirenen heulen den Mond an
damit die Fischer ihre Netze fertig machen
für den großen Fang.
Verfolgungsjagd auf der Kriechspur
bis die Sonne ihre Schleusen öffnet
für das Himmelsgespann.
Es werden noch Gebote auf das Morgen
angenommen, damit Raum bleibt
für unerwartete Hindernisse.
Ein Kreuz hält sich eine Hintertür offen
damit ihm falsche Hoffnungen
nicht in letzter Minute
die Schau stehlen können.
Umdenken auf  Umwegen.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln
lässt sich jedes Ziel erreichen
für das sich ein Fahrschein
lösen und entwerten lässt.
Wenn das Land allen gehört
lässt es sich leichtere
an den Mann bringen.
Ausverkauf in großem Stil
hat nicht den Charakter
von Kapitulation.

Der Architekt baut ein Haus
auf Sand, damit der Besitzer
auf seine Kosten kommt.

Von weitem schon zeigt sich
ein brauner Koloss
der sein Schicksal in den
schwärzesten Farben malt.

Es hätte alles so schön und leuchtend
sein können, wenn der Anfang
von seinem Ende gewusst hätte.

Zwischen Kühnheit und Eitelkeit
pendelt die Versuchung hin und her
jederzeit bereit zu scheitern.

Nichts klärt sich von selbst
und manchmal gibt es keine Lösung.

Durch das Netz der Verwirrung
wachsen Missverständnisse
mit jeder neuen Floskel.

Bilder vergilben.
Je schneller Bilder altern
umso schneller vergreisen auch diejenigen
die sie geschaffen haben.
Immer mehr Bilder altern
in einer Welt, die sich entfernt
von denen, deren Bilder
die Welt bewegen sollen.

Immer auch Abbild sein
um ein Bild zu schaffen
das vergeht.


Ausflug mit dem Rad

Die Gold verzierten Kuppeln
hängen voller Pausbacken.
Triumphierende Engelsgesichter
und teuflisches Grinsen.
Ein Berg spuckt
die schlimmsten Phantasien aus
und an seinen Hängen
werden Ängste zu Stein.
Je heller die Sonne bleicht
umso dunkler das Meer.
Die Fische möchten Anker werfen
Sie lassen sich nicht abschrecken
Von den Weissagungen der Flaschenpost.
Die Fassade bröckelt
und Stein um Stein
gibt der Mörtel Geschichte preis.
Eine schwarze Madonna
lockt mit dem Lippenbekenntnis.
Die Zeit drängt
Der Andrang wächst
Wer das letzte Wort hat
wird vom Eifer eingeholt.


Expressiv eruptiv

Ein Sturm bricht los
weil die Sinne
an die Grenzen
ihrer Wahrnehmungsfähigkeit
gestoßen sind
und die Fantasie
sich mit dem Unvorstellbaren
nicht zufrieden
geben möchte.

Den Tagen zäher Ungeduld
folgen die Nächte
voller Überraschungen.

Die Anziehungskraft
des universellen Schoßes
fordert die Zügellosigkeit
der Elemente heraus.

Die geheimen Wünsche
suchen nach
einer neuen Zuflucht
über ihren zukünftigen Verbleib
kursieren die
widersprüchlichsten Gerüchte.

Das Firmament möchte
den Sterneguckern
nicht mehr als Leinwand dienen.

Wer traut sich
aus dem tiefsten Innern
zu schöpfen
ohne Erwartungen
zu enttäuschen.
Der Sprung über
den eigenen Schatten
markiert die Summe
der Enttäuschungen
und weil
alle Versuche
die Magnetfelder
zu entmachten
mit Fehlschlägen
beantwortet werden
brodelt es
unter der dünnen  Schale.

Die Forscher wollen
keine Gewähr dafür geben
dass sich das Schlimmste
verhindern lässt.

Es bleibt den Künstlern
überlassen
unermüdlich zu sein.

Wenn die Farben
ihre Kraft verlieren
geht es für das Rot
um Alles oder Nichts.


Traumreise

Das Meer scheint
ruhig zu sein
als könne man es
auf einem Wasserball
stehend überqueren.

Eine Gipsbüste
im Nadelstreifen
bietet Blenderware feil;
unentschlossene Käufer
umkreisen argwöhnisch
das bröckelnde Standbild.

Die Zeiten in denen
Späher die Berge
auf Pferden überqueren konnten
sind längst vorbei
überall versperren schwere Lasten
den steinigen Weg.
Verstecken sich die Götter
in den Wolken
oder ist es Kohlenmonoxyd?
Auf den Fundamenten
der Sandburgen
bauen Kinderhände
Abschussrampen für Blitzlichter.
Die verbundenen Augen
sind bei den Filmvorführungen
unter freiem Himmel
auf Erzählungen angewiesen.
Alles klingt glaubhaft
von Treppenstufe
zu Treppenstufe
verändert sich
der Lauf der Geschichte
Von weitem gesehen
kauert ein Klumpen Gold
auf einem Haufen
von Versprechungen
und frommen Wünschen;
seinen Worten ist nichts
zu entnehmen
seine Bewegungen
unterstreichen Ungesagtes.
Die Tagelöhner
haben sich festlich gekleidet
geduldig warten sie
in langer Reihe
auf die Einlösung
der Vorhersagen.

Hütet der Schäfer
eine Herde von Wölfen
im Schafspelz oder
sind es Schafe
in Wolfsgewand?
Haben die Siegesparolen auf
das falsche Pferd gesetzt?

Nur wenn es dem
Maultier gelingt
über das gespannte Seil
zu balancieren
wird sein Schatten
wieder lebendig.

Die Würfel entscheiden
über die Route der Schiffe
die von den Leuchttürmen
auf die Reise geschickt werden.
Die Passagiere müssen
sich nicht ängstigen
solange die Windlichter
nicht vom Sturm
ausgelöscht werden.

Nichts glauben
nichts berühren
nichts ausschließen:
die Geste
möchte Umklammerung sein,
damit das Leben
ständig neue Schlussakkorde
ertönen lässt.


Rutas de Tunisia

Schutz verlangt ein Opfer
eine Spende
um den Blick zu öffnen
ins Innerste
wie es schlägt
wie es trommelt
konspirative Kapriolen
wie ein Reigen der
Ratlosigkeit
pulsierender Weg
Pfad der Tugend
oder Fluchtpunkt.
Was vom Spektakel
bleibt, ist die Bühne
Kapitele, Lichtbögen,
Säulenstümpfe und
digitale Antennen
als Palmschmuck getarnt.
Zwischen den Wassern
fischen die Baumeister
im Trüben.
Krieg der Zisternen
mit Regieanweisungen
für die Komparserie
als Orakel
der fremden Verführer.


Rundblick

Blätter glänzen
Staubkerne funkeln
verführerisch.
In den Furchen
kauert die Saat.
kübelweise schüttet
sich Unmut aus.
Eine Delegation
macht sich stark
für die Schwachen.
Auf indiskrete Äußerungen
folgt Stammeln.
Gemalte Botschaft
als Buch ohne Lettern
für Streuner.
Warten auf eine Zeit
in der Vogelschwärme
die Schallmauer
durchbrechen und Eis
in der Sonne gefriert.
Abstriche machen an
der Glaubwürdigkeit
der Lehrbücher.
Handlungsabläufe mit
Eselsohren markieren
gegen die Dummheit.
Anhaltspunkte sammeln
für einen verwegenen Pakt
mit offenem Ausgang
denn nichts ist sicher
außer, dass sich nichts
wiederholen ließe.
Antiker Dichter
zwischen den Musen
der schönen Künste
und der Tragödie.
Zu seinen Füßen
die Patina des Altars
der Unschuldigsten
unter den Unschuldigen.
Noch nach Hunderten
von Jahren ziehen sich
unzählige Remisen
durch enge Gasse
um die Sucht
der Schaulustigen
zu befriedigen.
Belagerungszustand
nach neuen Regeln.
Die Hütten auf einer
Anhöhe spiegeln sich
in den Fenstern
der Paläste, errichtet
auf entweihtem Boden.
Besprechungen hinter
vorgehaltener Hand
Gerüchte röcheln
in Wasserpfeifen.
Aufmarsch der
goldenen Krummsäbel
weißen Kaftane
und roten Mützen.
Das Chamäleon hält
die Augen geschlossen
und täuscht Wachtraum vor.
An dem Auftritt
der Gläubigen
führt kein Weg vorbei
als Ultimatum
der Friedfertigen
die sich nicht
abbringen lassen.


Einblick

Zufälliges Zusammentreffen
unbekannter Schläfer
die Ohren haben ausgedient
die Augen sind vergilbt
wie die Aktenberge.
Daten und Fakten werden
frei gestellt
weil sie nichts
auslassen wollen.
Das Mittel aus dem Maß der Dinge
Gedränge am Eingang
zum Niemandsland.
Eine Fahrt durch Hell und Dunkel
mischt das Unsichtbare auf.
Ständig neue Schlagzeilen
die den Mund zu voll nehmen
und alles besser wissen.
Erste Eindrücke, von
dem was nicht ist.
Aus Elend erwachsen
keine Frühlingsblüten.
Kreisel des Werdens
und Vergehens.
Hinterlassenschaft
als nutzloses Erbe.
Aus Fehlern lernen
um neue machen
zu können.


Kein neues Land in Sicht

Solange die Oberfläche
in Türkis leuchtet
herrscht eitel Freude
schmücken sich
sanfte Schwingen
mit einer weißen Borte.
Solange kein Sturm
aufkommt, sind die
Schöngeister unter sich.
Tagebücher zücken
und Notizbücher vollgriffeln.
Vielleicht versinkt die Sonne
bei Capri gar nicht im Meer
vielleicht sind es ja nur die
Strahlen versunkener Fässer
oder der Fluch der Habgier.
Es schwirrt etwas durch den Äther
unangreifbar und schwerelos
was sich nicht berechnen lässt.
Kann heißen, darüber
hinwegsehen oder
der Selbsttäuschung erliegen.
Es war einmal
verlorene Zeit
auf einem Seelenverkäufer
und weiße Kautschukballen
auf dem Kai.
Mit einfachen Mitteln
das schier Unmögliche wagen.
Die Welt aus den Angeln heben
und keine Vorstellung besitzen
von den Folgen.
Die Verhältnisse haben
sich geändert.
Täglich dümpelt mehr
Unsinkbares durch die Brandung.
Noch ist scheinbar Platz
genug für Unrat.
Der Wind lässt sich nicht
dafür abstrafen, dass er
den Wellen Gewalt antut.
Ein Schiff geht vor Anker
und spuckt Heuschrecken artig
einen riesigen Schwarm
Passagiere aus.
Die Ruhe im Hafen
hat endlich ein Ende.
Das Warten auf den
Konsumrausch soll
sich lohnen.
Rollläden rasseln
Schlüssel klappern
Türen werden geöffnet
und Parolen ausgegeben.
Für ein paar Stunden
Hoffen auf Geldregen.
Was hast Du
dass ich haben will
obwohl ich es nicht brauche.
An einem Tag wie heute
können Großmütter und Großväter
ihre Enkelkinder
nicht spazieren fahren.
Stattdessen müssen sie
mit treuherzigem Lächeln
an den Souvenir-Ständen sitzen
um den Umsatz anzukurbeln.
Da ist kein Platz mehr für
schöne Künste.
Gesichter als Masken
aus weichem Holz.
Bilder vom Schnellmaler.
Die alten Meister
ziehen sich in die
Wälder zurück und
stochern verlegen
im Erdreich nach
einem Ausweg.
Taxifahrer lassen
die Motoren
ihrer Karossen an.
Das Taxameter läuft.
Wartezeit summiert sich.
Ungeduld stapelt sich
sich wie Falschgeld.
Es ist nicht damit getan
den Blick auf das Meer
auszuweichen um
Unheil zu entgehen.
Bare Münze

Wundergebräu aus Minze
und grünem Tee
dickflüssiges Elixier
zum Fest der Mythen.
Geschnitzte Ketten
und Gesichter, die
Märchen erzählen.
Was gut ist für ein Land
soll auch gut für
alle seine Bewohner sein.
Das Leben auf Augenhöhe
mit der Bescheidenheit
die sich nichts stunden lässt.
Der Flaschenzug
an der Spitze des Minaretts
will die Gebetsteppiche
in den Himmel hieven.
Die Schmach der Verstummten
stemmt sich
gegen den Rausch der Seligkeit.


Feuerstelle

Parade fremder Wesen
an der Küste entlang.
Auf einer Treppe
den Horizont überklettern
um zu sehen
wie schnell sich
der Erdball dreht
in den Fängen
des Rauchs.
Eine Brise schon
kann entscheiden
über Werden und Vergehen.
Unter dem Staub
wachsen Olivenbäume;
zwischen Felsenklippen
taumeln Halme.
Männer mit runden Mützen
sitzen im Kreis.
Schatten treiben Schafe
und Ziegen vor sich her.
Das Wenige, was gedeiht
wandert in poröse Speicher.
Zurück bleibt
was nicht warten will.


Hammelspur
 
Fragile Behälter
mit brennbarer Fracht
Angebot für Feuerreiter.
Vorräte trocknen kopfüber
als Mahlzeit für den
nächsten Tag.
In farbige Tücher gehüllt
wartet die Demut auf
eine glückliche Fügung.
Sprödes Strauchwerk
straft den Esel Lügen
der sein Maul
zu weit aufreißt.
Häuser würfeln
um die Wasserstellen;
Brücken hoffen auf
Niederschlag, weil von dem
endlosen Schienenstrang
keine Hilfe zu erwarten ist.
Die Wachtürme stehen leer
solange jeder Ausweg
mehr verspricht als
eine diebische Flucht.


Steinlawine

In der erfrorenen Wüste
fegt die Vorstellung
über scheintotes Geröll.
Sternenkriegsland.
Hier standen die Container
der Leinwandhelden
abgeschnitten von
der Wirklichkeit.
Je größer der Aufwand
umso wahrscheinlicher
misslingt der Versuch
sich selbst zu übertreffen.
Kreiseln zwischen
Planeten aus Folie
und Leuchtstoff.
Bedrohung im Wartestand.
Sand fegt über die Spielstätte.
Ein Stück noch
dann muss Schluss sein
damit die Sehnsucht
bleibt.


Spiegelverkehrt

Das Auge lässt sich
nur zu gerne täuschen
vom Faltenwurf
des Atlas und den
Wolkenklippen,
an denen die
Morgenstunde strandet.
Skulpturen aus
Sand und Salz
gaukeln ewige
Schönheit vor.
Steine schließen
einen Pakt
mit Kristallen.
Die guten Geister
nehmen die Deichsel
um das schwere Los
der Maultiere
leichten Herzens
zu schultern.


Missverständnis

Kein Grund
zum Kennenlernen
Gastgeschenke
wie ein Überfall
Feilschen um jeden Preis
Austausch von Argumenten
die nicht zählen
Besitzerwechsel von Blendware.
Die stille Hoffnung
den anderen übervorteilt
zu haben. Kurze Freude
bis das nächste Opfer
sich auf den Disput einlässt.
Tausche eine Schneekugel
gegen eine Mahlzeit
für hungrige Mäuler.
Biete eine Fälschung
Tisch und Stuhl.
Schenke Dir Deinen
Tand zurück
mit dem Du mich
Jahrzehnte lang
abgefunden hast.

Der Gewinn zerfällt
wie Asche, verweht
wie Senfkörner
es bleiben
sind leere Taschen
und Wehrlosigkeit
gegenüber den
eigenen Ansprüchen.
Fortschritt braucht
volle Regale
berstende Speicher
und Überfluss
soweit das Auge reicht.
Die Liste muss unendlich
sein, damit kein Ziel
erreicht werden kann.


Abschiedsgeschenk

Freundlichkeit kann Anlass
sein, aber nicht Grund genug
um irgendwo sonst
die Zelte abzubrechen.
Zwischen Einöden
wächst Zuversicht.
Sanftheit fällt dem
scharfzüngigen Ausdruck
ins Wort.
Schon von weitem
leuchten Lichterketten
welche die Rückkehr
vorwegnehmen.
Doch mit jedem Besuch
anderswo, wächst die
Kraft zum Bleiben.


Copyright by Michael Kirmes-Seitz
Bundschuhstr. 13//1305, 01307 Dresden
26.12.14 22:22





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